Kopfmenue

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Sonneberg-Westeson,

am Donnerstag wollen Sie dem Antrag der SPD zur Enteignung der Grundstückseigentümer an Groß-Glienicker- See, Uferpromenade, zustimmen.

 

Wie lässt sich das mit den Grundsätzen und Werten Ihrer Partei vereinbaren?
Waren Sie schon mal vor Ort und haben Sie sich die bestehende Situation angesehen, mit den Anwohner gesprochen?
Der Zustand im Moment dort ist noch:
Bei dem überwiegenden Teil der nördlichen Grundstücke handelt es sich um schmale Streifen, teils mit, teils ohne Bebauung, die als reine Wochenendgrundstücke genutzt werden. Das genutzt bedeutet: an Wochenenden in den hauptsächlich Sommermonaten, bei schönem Wetter!
Da können Sie sich hochrechnen wie oft das ist im Jahr ist. Die Grundstücke werden zur Ruhe und Erholung aufgesucht.
Im südlichen Abschnitt überwiegen die größeren Grundstücke, meist dauerbewohnt, durchsetzt von schmalen Streifen. Dort ist der Schilfbewuchs sehr dicht, teils der Seezugang, wenn nur noch über die Stege möglich. Dieses Schilf wurde teilweise dort mühsam von Anwohner gepflanzt und vor Entenfraß geschützt, damit es so prachtvoll gedeihen konnte. Dort leben die Anwohner friedlich mit der Natur. Die Anwohner die fest am See siedeln, haben nicht das Bedürfnis – wie uns gerne unterstellt wird - täglich den Uferbereich aufzusuchen oder zu nutzen. Hier ist schon der reine Anblick des Sees Befriedigung genug. Oder suchen Sie täglich den hintersten Winkel Ihres Gartens auf?
Wie hätte die Natur- Pflanzen wie Tiere - so gut gedeihen können, wenn wir Anwohner so schlecht mit Ihr umgegangen wären? Hier ist die Natur zum Menschen gekommen und nicht umgekehrt.
Den Zustand den Sie schaffen wollen:
Die Anwohner werden enteignet, ein Streifen von ca. 15m zum Ufer wird freigehalten, dazu kommt die Fläche für den Weg.
Damit wird der Fußverkehr der Uferpromenade auf den Wanderweg verlagert. Das bedeutet, dass die nahen Anwohner dann mit Ihren Hunden diesen Weg benutzen werden. Hier sei angemerkt, dass die Hundebesitzer den Hauptteil der Passanten der Uferpromenade ausmachen.
Um den Uferbereich vor den mit Sicherheit jagenden und badenden Hunden (Hunde sind an beiden Badestellen nicht erlaubt) zu schützen, müsste dieser eingezäunt werden. Die Anwohner werden wiederum ihre Grundstücke vor voyeuristischen Blicken der Spaziergänger schützen. Paradiesische Zustände.
Bei Regen wird die direkte Hundekoteinspülung der Wasserqualität des Sees bestimmt nicht zuträglich sein, hier konnten bisher die zwischengelagerten Grundstücke als Filter dienen.
An den Wochenenden in den Sommermonaten würden die Zaunanlagen regelmäßig eingerissen, illegale Bade – und Partystellen eingerichtet und alles mit Müll, Klopapier, Kondomen und Glasscherben überseht werden. Wie das aussieht, können wir uns jetzt schon an den Badestellen und auf der gegenüberliegenden Seeseite, vor allem an den wilden Badestellen ansehen. Die Lagen dieser Plätze sind bereits im Internet beschrieben, dort sind auch die beiden unter Naturschutz stehenden Inseln als Bootsziele für unzählige Vergnügen aufgeführt.
Im Uferbereich des Sees leben diverse (Wasser)Vögel, Reiher, Ringelnatter, Fledermäuse, Fuchs, Waschbär, Frosch, Kröte und Mensch, Flora und Fauna in einer wunderbaren Gemeinschaft und nicht als Konkurrenten. Hier haben viele ihre Nische gefunden.
Wo sollen sich Frosch und Kröte paaren, die Wasservögel nisten und brüten, die Ringelnatter sich sonnen und auf Beute gehen, wenn sie regelmäßig und immer wieder von Fußgängern gestört werden? Wenn Durchgänge versperrt sind?
Kladow hat eine wunderbare Landschaft rundum. Es gibt die Havelwege, den Wannsee, die Gatower Heide, die Rieselfelder, den Fuchsberg, das Hundeauslaufgebiet, den ehemaligen Grenzstreifen, sowie einen Golfplatz. Beide, Sakrower See und Groß Glienicker See sind bereits jetzt schon fuß – und radläufig umrundbar. Hinter der „Landstadt“ soll ein weiterer Landschaftspark entstehen, ein wunderbares Biotop findet sich dort jetzt schon. Dazu das umliegende Havelland mit der Gatower Heide, Sakrow usw..
Muss man denn unter diesen Bedingungen dem Drang Einiger (allen voran Frau Sommer mit ihren Doggen) am Ufer langzugehen, nachgeben, ein sich entwickelndes Paradies zerstören, und das unter dem Deckmantel des Allgemeinwohls?
Wo schlicht und ergreifend kein Bedarf sondern nur ein ganz egoistisches „ich will“ besteht!
Oder ist es Neid?
Und wieder soll viel Geld in den privilegierten, reichen südlichen Teil Spandaus fließen, der bereits eine prima Infrastruktur, neue gut ausgestattete Schulen und eben eine wunderbare Landschaft und ein reichliches Freizeitangebot hat.
Und wieder soll der viel ärmere Norden für den reichen Süden bluten?!
Wie kann sich ein Bezirk wie Spandau, diese finanzielle Eskapade leisten? Erklären Sie das bitte mir und den Bewohnern des Nordens.
Letztendlich nur damit der bestehende Seerundweg ein bisschen näher ans Wasser geführt wird? Zu diesem Preis?
Kladow hat ganz andere, dringendere Baustellen, diese schon gut erkennbar an dem Zustand des Fußweges der Uferpromenade und den Straßenzuständen der „alten“ Siedlungen Kladows.
Warum setzen Sie sich nicht mit den Anwohnern zusammen, erarbeiten mit Ihnen Konzepte zur Erhaltung und weiteren Verbesserung des Uferbereiches, holen sie mit ins Boot? Sie stoßen hier sicherlich auf offene Ohren.
Warum bekämpfen?
Nur weil es einige Politiker und Politikerinnen gibt,  die sich hier mit vermeintlichen „Erfolgen“ profilieren wollen und dafür über Jahrzehnte (bald ein Jahrhundert) gewachsene Strukturen sinnlos zerstören, nur um ihre „Duftmarke“ zu setzen?
Ich lade Sie herzlich dazu ein, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen und bitte Sie am Donnerstag nicht für den Antrag zur Enteignung zu stimmen und dem Fraktionsdruck nachzugeben. Bitte denken Sie noch mal darüber nach.
Herzlichen Dank und
mit freundlichen Grüßen
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx per E-Mail 6.03.2012

Briefe an die Politiker