Kopfmenue

Sehr geehrter Herr Haß,

von der Bürgerinitiative Pro Groß Glienicker See, deren Mitglied ich bin, habe ich er­fahren, dass Sie als Vorsitzender der SPD-Fraktion in der BVV Spandau für die Sit­zung am 23. Januar eine Große Anfrage zu den Pachtverträgen am Groß Glienicker See an die Bezirksverwaltung gerichtet haben.

Ich schließe aus dieser Anfrage, dass Sie hinter den Beschlüssen der BVV zur Anlage eines Uferwanderweges auf der Spandauer Seite und dem Abriss der Stege stehen.

Ich habe Bürgermeister Kleebank nach seiner Wahl, die ich aus übergeordneten Grün­den begrüßt habe, geschrieben, dass ich dieses Projekt eines Uferwanderweges und die Forderung nach einem alsbaldigen Abriss der Stege für einen Fehler halte. Ich habe dies aus der Sicht eines Bürgers, der sein Leben lang „links“ gewählt hat, be­gründet. Leider hat er mir nicht geantwortet.

Vielleicht habe ich bei Ihnen mehr Erfolg. Sie engagieren sich für Arbeitnehmerfra­gen. Innerhalb dieser Gruppe gibt es zwar beträchtliche Einkommensunterschie­de, aber ich nehme an, dass Sie sich vor allem als ein Vertreter der Interessen der un­teren Einkommensgruppen verstehen. Da ist es nahe liegend, dass Sie dafür eintreten, die Seeufer allen Bürgern zugänglich zu machen und die Privilegien einzelner reicher Leute – zu Gunsten der Allgemeinheit – abzuschaffen. Auf dieser Linie liegt der Be­schluss der BVV zum Uferweg und zu den Stegen. Dieser muss auf die Mitglieder und Wähler der SPD den Eindruck machen, dass er geradezu mustergültig „sozialde­mokratisch“ ist.

Doch meine – ob nun große oder kleine, jedenfalls dringliche - Anfrage an die Bezirks­verordneten ist: Welcher unserer Reprä­sentanten hat sich vor Ort angesehen, was hier beschlossen wurde und sich dann vor Ort überlegt, wie dieser Beschluss realisiert werden soll? Als geborener Stuttgarter sehe ich eine Parallele – im Miniformat – zu der anfänglichen Begeisterung der baden-württembergischen SPD für das Bahnhofsprojekt Stutt­gart 21. Im Fortschrittswahn hat man nicht erkannt, was auf die Stuttgarter zukommt, und nun meint man stur am einmal Beschlossenen festhalten zu müssen.

Wer vom Seekrug über die Badewiese Moorloch dem Ufer entlang geht oder dasselbe von der Badestelle Pferde­koppel aus macht, wird feststellen, dass dieser Uferwander­weg nur dann fortgesetzt werden kann, wenn die Anrainer über die ganze Strecke enteignet würden. Wie will der Bezirk denn angesichts der Kassenlage, die sich doch kaum bessern dürfte, zu­nächst den Bebauungsplan und dann die Enteig­nung finanzieren? Und wie wahr­scheinlich ist es denn, dass das Enteignungsverfah­ren vor Gericht Bestand hätte? Es ist zu bedenken, dass es am Groß Glienicker See auf der Berliner Seite – ganz anders als auf der Potsdamer Seite - viele schmale Zu­gänge zum Wasser gibt, die nur wenige Meter breit sind. In meinem Falle sind es 2,50 Meter. Diese Stücke sind häufig mit Erlen bewachsen und als Gartenland gar nicht zu nutzen. Wenn der Zugang zum Wasser, um dessentwillen das Stück erworben wurde, entfällt, ist es völlig wertlos.

Bei der Planung der Kosten und auch bei der Begründung eines Enteignungsverfah­rens dürfte eine wesentliche Rolle spielen, dass in Sichtweite des Sees – also auf ei­ner Entfernung von 30 bis 70 Metern - der Uferpromenade entlang ein Gehweg führt, der von den eiligen Badegästen gerne benutzt und von den Anliegern sauber gehalten wird. Nun einen weiteren Weg durch die Grundstücke der Anlieger zu führen, um dem See noch einige Meter näher zu sein, ist für die Eigentümer nicht zumutbar, und ich würde gerne mal wissen, wer von den Spandauern daran ein wirkliches In­teresse hat. Die Lage ist doch ziemlich entspannt und ich sehe keinen Handlungsbedarf. Wer am See baden will, hat dazu ausreichend Gelegenheit. Ein zusätzlicher Wanderweg ist ein Luxuswunsch einiger ganz weniger, keineswegs aller Kladower Sozi­aldemokraten. Diesen Wunsch zu erfüllen, würde Spandau unverhältnismäßig viel Geld kosten. Ich bezweifle im übrigen, dass man von einem Wanderweg, der auf derselben Ebene mit dem See, doch nun hinter dem Schilf und dem bald zu erwarten­den Erlen- und Weidengestrüpp entlang führen würde, von der Wasserfläche mehr sehen würde als von der erhöhten Uferpromenade. Wünschen würde ich mir allerdings, dass die Eigentümer auf will­kürliche Sichtbehinderungen durch Bretterzäune und hohe Hecken verzichten wür­den. Darüber könnte man reden.

Die Anlage eines neuen Uferwanderwegs dürfte sich bei einer Ortsbegehung und bei einer Kostenkalkulation als ein wenig sinnvolles Unternehmen erweisen. Ich vermu­te, dass eine Mehrheit der Bezirksverordneten dies auch gar nicht mehr bestreitet. Aber es ist nun mal beschlossen und nun wird es betrieben und betrieben – wie Stuttgart 21.

Dann bleibt noch der Abriss der Stege. Auch hier wird wahrscheinlich eine Ortsbe­sichtigung zei­gen, dass diese Stege, die es seit 80 Jahren gibt, die ökologische Situati­on des Sees nicht erkennbar beeinträchtigen. Problematischer sind Uferverbauungen, aber deren Rückbau wäre mit den Grundstücksbesitzern zu vereinbaren und würde das Nutzen der Grundstücke nicht hindern. Nur an den Stegen und am Zugang zum Wasser hängt tatsächlich der ideelle und auch materielle Wert der Grundstücke. Wenn die Stege abgerissen würden, entfiele für viele Familien, die seit Ge­nerationen im Hochsommer den Steg nutzen, eine ge­wohnte Form der Wochenendgestaltung.

Und da frage ich mich: Was haben die Spandauer wirklich davon, dass die­se Stege abgerissen werden. Ich habe mich mein Leben lang mit Naturbeobachtung und Naturschutz befasst. Der ökologische Gewinn des Abrisses der Stege ist minimal. Den Hinweis auf den Naturschutz und irgendwelche EG-Richtlini­en halte ich für vorgeschoben. In Kladow heißt es, die Betreiber des Abreißens der Stege sei­en nur neidisch. Hätten sie selbst einen Steg, würden sie das Naturschutzargument ganz an­ders sehen. Den Badegästen verschafft der Abriss der Stege keine Vorteile und Bezirk verliert die Pachtgebühren.

Wozu dann der Abriss? Wollen die aufrechten Spandauer Sozis den Reichen mal so richtig zeigen, wo der Hammer hängt, - auch wenn der Re­gierende Bürgermeister bei offiziellen Empfängen und Veranstaltungen den wirk­lich Reichen die Honneurs machen muss. Das ist ja manchmal fast schon peinlich.

Da fände ich es eher zumutbar, dass Sie als mein Abgeordneter mich mal besu­chen und sich Steg und Grundstück vor Ort ansehen und dann noch einmal neu über­legen, ob es wirklich sinnvoll ist, diesen Konflikt am Groß Glienicker See, der die Eigentümer wirklich nervt, so richtig hoch zu kochen, statt sich mit der Bürgerinitiative auf etwas Pflegliches zu einigen.

Ich frage mal ganz direkt: Wozu wähle ich denn als Bürger Abgeordnete in die BVV? Doch nicht dazu, dass sie einem 75jährigen pensionierten Beamten und pünktlichen Steuerzahler mit einem illusorischen Projekt das Leben schwer machen und ihm als Angler nach 35 Jahren den Steg unterm Hintern wegreißen! Also, ich würde mich freuen, wenn wir uns die Ufersituation zusammen ansehen könnten. Auf der Homepage der Bürgerinitiative habe ich schon mal dargestellt, wie ich Besitzer meines Uferstreifens und Steges ge­worden bin.

 

Mit freundlichem Gruß

Ihr Theodor Ebert

 

 

 

 

 

 

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